
Besuch eines entfernten Verwandten
Tante Jo kann sich an einen entfernten Verwandten erinnern. Er hat ihr, als sie drei Jahre alt war, bei seinen Besuchen in den Jahren 1938 – 1940 zunächst wegen seiner Größe und der Kutte mit Kordel Angst gemacht.
Ihre Mutter sorgte daraufhin dafür, dass sie erst ins Wohnzimmer geholt wurde, wenn er schon saß. Dann war die Angst nicht so groß und sie traute sich sogar, sich ihm so zu nähern, sodass er ihr seine Zeichnungen auf einer Kladde zeigen konnte. Er sagte ihr, dass er statt zu fotografieren, die Dinge und Landschaften, die er mochte, lieber zeichnen würde.
Er war auch bekannt dafür, im ganzen Land und darüber hinaus die „Gregorianischen Gesänge“ zu verbreiten. Hier eine kleine Hörprobe vom WDR zum 70. Geburtstag von Dr. Gregor Schwacke von 1962: Klick! Danach lebte er noch weitere fünf Jahre bis 1967.
Du allein bist der Herr
Tessas Ur-Großonkel Gregor Schwake war von 1944 – 1945 bis zur Befreiung Deutschlands im KZ Dachau inhaftiert gewesen, weil er einmal zu viel in einer Predigt hatte verlauten lassen „Du allein bist der Herr“. Danach wurde er in Linz am Eingang zur Kirche von der Gestapo zum Verhör mitgenommen und zu KZ-Haft verurteilt. In Dachau waren damals unzählige Kirchenmänner gefangen gehalten.
Seine Erinnerungen hat er im Buch „Mönch hinter Stacheldraht – Erinnerungen an das KZ-Dachau“ veröffentlich.

Noch bevor Tessa in den Aufzeichnungen seiner Erlebnisse im KZ-Dachau lesen konnte, hatte sie einen weiteren Großcousin finden können, dessen Mutter eine Nichte von Theodor (Pater Gregor) Schwake war. Dieser schickte ihr umgehend ein Erinnerungsbuch zu, das seine Familie über den Mönch zusammen gestellt hatte. Im anschließenden Telefonat erfuhr sie noch Weiteres über ihren Vorfahren, das sie sehr berührte. Denn er war bis zu seinem Tode wohl ein Mensch gewesen, der anderen das Herz erwärmen und sie mit seinem Frohsinn anstecken konnte.
Orgelspiel
Er liebte die Musik, das Zeichnen, die Dichterei, die darstellenden Künste und vor allem liebte er es Menschen zu begeistern und mitzureißen. Dabei stach der sanfte Riese mit seinen über 1,92 Metern Körpergröße immer wie ein Leuchtturm aus der Menschenmenge, die ihn umgab.
Er hatte im Kloster Musik studieren dürfen und kam so zu seinem Doktortitel. Die Orgel hatte es ihm angetan und so wurde er auch als Gutachter für die Erstellung neuer oder die Reparatur alter Orgeln zu Rate gezogen.
Spurensuche
Tessa hatte Feuer gefangen und begab sich auf Spurensuche. Ein sehr netter Archivar des Bistums Münster schickte ihr Unterlagen und so kam sie unter Anderem in den Besitz einer Kopie seines Schutzhaftbefehls vom 18. Dezember 1943.

In den Unterlagen fand sie Hinweise darauf, dass der unbekannte Onkel Gregor, während seiner KZ-Zeit die „Dachauer Messe“ komponiert hatte, die dort uraufgeführt wurde. Nun wollte sie diese Messe auch selbst hören und fand sie tatsächlich auf Spotify unter dem Titel „KZMusik Vol. 22“.
Durch einen Anruf im Stadtarchiv Friedrichshafen, hatte sie eine Kassette mit einer Aufnahme davon freundlicherweise überlassen bekommen. Dort gab es ein Vorwort, aus dem sie erfuhr, dass die Noten für die Messe für eine lange Zeit verschollen waren und nur durch jahrelange akribische Recherche wieder aufgefunden werden konnten.
Eine KZ-Kapelle
Die Priester, die bereits vor Dr. Schwake im KZ-Dachau festgesetzt worden waren, hatten damit begonnen, unter erdenklich erschwerten Bedingungen, eine kleine Kapelle als Gebetsort einzurichten. Der Erfindungsreichtum war erstaunlich und so wurde anfangs in Ermangelung anderer Materialien beispielsweise aus alten Dosen eine Monstranz zusammengebaut. In Briefen an die Verwandten, wurde verschlüsselt – in etwa: „Es wäre schön, wenn wir jetzt unsere Mutter bei uns hätten.“ – darum gebeten, eine Madonna zu schicken. So statteten sie nach und nach ihren Ort der Verbindung zu Gott an diesem gottlosen Ort auf. Nähere Informationen findest du hier: Klick!
Hatte beispielsweise der Bischof von Münster, Clemens August Graf von Galen, öffentlich die „Vernichtung lebensunwerten Lebens“ (das Nazi Eutanasie-Programm T4) angeprangert, gab es harte Sanktionen gegen die inhaftierten Priester im KZ.
Wie es im KZ-Dachau zuging, kann man in der ARD-Mediathek „KL – Dachau“ in Teil 1 und Teil 2 nachvollziehen.
Er wurde wenige Tage vor Kriegsende entlassen und sollte sich eigentlich von den KZ-Strapazen in der Schweiz erholen. Das währte aber nicht lange, denn eine Gemeinde auf seinem Weg benötigte dringend einen Pfarrer und so übernahm er trotz seiner Schwächung diese Aufgabe für wesentlich länger als gedacht.
Tröstlich fand Tessa, dass er noch viele Jahre bis 1967 hatte weiterleben können, um seinen Inspirationsfunken noch auf möglichst viele Menschen übertrug.
Erhaltung des Niederdeutschen

Beispielsweise hatte Dr. Gregor Schake 1962 das Verdienstkreuz erster Klasse und 1965 den Rottendorf-Ennigerloh-Preis verliehen bekommen, denn er hatte sich um die Erhaltung, Förderung Festigung des Niederdeutschen verdient gemacht
Bis er an Krebs erkrankte und im Kreise seiner Glaubensbrüder und Freunde, die ununterbrochen an seinem Krankenbett wachten, verstarb.
Mehr über Dr. Gregor Schwake findest du hier: Klick!

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