Interessante Formen des stillen Widerstands:

Geheime Botschaften im Alltag: Tarnschriften, codierte Zeitungen und Radio-Codes im Zweiten Weltkrieg

von mir mit KI-generiert (NightCafe)

Im Beitrag Zaunwolle habe ich darüber geschrieben, wie strickende Frauen im Krieg als Spioninnen agierten – unauffällig, im Verborgenen, mit Nadel und Wolle. Doch Strickmuster waren nicht die einzige Methode, geheime Botschaften zu übermitteln. Der Zweite Weltkrieg war auch ein Informationskrieg, in dem beide Seiten – das Nazi-Regime und der Widerstand – kreative und oft überraschende Wege fanden, um zu kommunizieren, ohne entdeckt zu werden.

Tarnschriften: Widerstand getarnt als Werbung

von mir mit KI-generiert (NightCafe)

Eine der faszinierendsten Methoden des Widerstands waren sogenannte Tarnschriften. Diese getarnten Widerstandsschriften waren als harmlose Alltagsprodukte verkleidet: als Werbung für Shampoo, Anleitungen für Kameras, Samenpäckchen oder sogar als antisemitische Nazi-Bücher.

Öffnete man die sorgfältig nachgebildeten Titelseiten, offenbarten die Broschüren ihren wahren anti-Nazi-Inhalt. Andere Tarnschriften waren als Einlagen in echten Nazi-Zeitungen versteckt. Wer also morgens seine Zeitung aufschlug, konnte plötzlich auf Widerstandsmaterial stoßen – versteckt zwischen den offiziellen Nachrichten des Regimes.

Diese Methode war genial, denn niemand würde eine Frau verdächtigen, die eine Broschüre über Blumensamen oder Haarpflege bei sich trug. Ähnlich wie die strickenden Spioninnen nutzten diese Menschen die Tarnung des Alltäglichen, um Widerstand zu leisten.

Codierte Botschaften in Untergrund-Zeitungen

von mir mit KI-generiert (NightCafe)

Während das Nazi-Regime die offiziellen Medien kontrollierte, gab es im Untergrund ein Netzwerk von illegalen Zeitungen. Während des Krieges versorgten Untergrund-Zeitungen über eine Million Leser mit Informationen. Die Résistance nutzte codierte Botschaften zur Kommunikation und Operationsplanung. Untergrund-Zeitungen publizierten codierte Artikel und Zeichnungen. Sogar Gedichte wurden als Mittel genutzt, um codierte Nachrichten zu senden.

Für Außenstehende lasen sich diese Artikel wie gewöhnliche Texte. Doch wer den Code kannte, verstand die versteckte Botschaft: Treffpunkte, Operationen, Warnungen vor Razzien. Ähnlich wie beim Strickmuster war das Geheimnis für Nichteingeweihte nicht zu entschlüsseln.

BBC-Radio: Musik als Befehl

von mir mit KI-generiert (NightCafe)

Nicht nur gedruckte Medien wurden für geheime Kommunikation genutzt. Die BBC sendete codierte Botschaften an die französische Résistance, die über die Köpfe der Deutschen hinweggehen sollten.

Ein BBC-Archiv enthüllte später, dass bestimmte Musikstücke am Ende von Nachrichtensendungen gespielt wurden – die Auswahl der Platten gab Befehle oder Informationen an Widerstandsgruppen in Polen. Eine Beethoven-Sonate konnte bedeuten: „Operation startet morgen.“ Ein Volkslied: „Wartet ab.“

Für die Nazis klang es wie ein normales Radioprogramm. Für den Widerstand war es ein Befehl.

Der Informationskrieg: Fake-Zeitungen und Propaganda

von mir mit KI-generiert (NightCafe)

Doch nicht nur der Widerstand nutzte Täuschung. Auch die Alliierten setzten auf psychologische Kriegsführung durch gefälschte Medien.

Als der D-Day nahte, veröffentlichte eine Gruppe gewöhnlicher Bürger eine „gefälschte“ Version der Nazi-Zeitung Haarlemsche Courant, die die alliierte Invasion akkurat beschrieb, während die „echte“ Nazi-Version sie herunterspielte. Menschen, die beide Versionen lasen, merkten: Das Regime log.

Noch aberwitziger war der britische Fake-Radiosender „Gustav Siegfried Eins“. Die Briten erfanden einen gefälschten deutschen Widerstandssender, der vorgab, aus Deutschland zu senden, aber tatsächlich aus England ausgestrahlt wurde. Am Ende jeder Sendung wurden codierte Zahlenreihen verlesen, die die Nazi-Gestapo zu entschlüsseln versuchte – aber nichts davon war real. Die Nazis verschwendeten Zeit und Ressourcen, um Codes zu knacken, die nie existiert hatten.

Fazit: Der Krieg der Botschaften

Ob Strickmuster, Tarnschriften, codierte Gedichte oder Radio-Musik – der Zweite Weltkrieg war auch ein Krieg der versteckten Botschaften. Menschen auf beiden Seiten nutzten Alltägliches, um Informationen zu übermitteln, ohne entdeckt zu werden.

Was mich daran so fasziniert: Es waren oft ganz gewöhnliche Menschen – strickende Frauen, Zeitungsleser, Radiohörer – die Teil dieses unsichtbaren Krieges wurden. Ihre Waffen waren keine Gewehre, sondern Nadeln, Papier und Worte.

Und genau das zeigt: Widerstand kann leise sein. Manchmal verbirgt er sich in einer Broschüre über Blumensamen. Manchmal in einer Melodie im Radio. Manchmal in einer Socke. Mein Großvater weigerte sich so lange, ein Bild vom Führer in seinen Büroräumen aufzuhängen, bis man ihm drohte ihn abzuführen. So kam es zu einem sehr kleinen Konterfei von Hitler, dass er es, sobald die Kontrolleure sein Geschäft verlassen hatten, umdrehte. Großvater Eddy ging auch hocherhobenen Hauptes mit seiner kleinen Tochter, meiner Tante Jo, in jüdischen Geschäften einkaufen. An den Wachposten vorbei und die Schilder verächtlich ignorierend „Deutsche kauft nicht bei Juden! Auch pflegte er weiter seine Geschäftsbeziehungen mit jüdischen Händlern und als das nicht mehr möglich war, half er der einigen dabei, das Land zu verlassen. Darüber werde ich in einem gesonderten Beitrag berichten.

Diese Kleinigkeiten waren zwar kein offener Widerstand aber eine Haltung und der Versuch einer Meinungsäußerung ohne das Leben deswegen zu verlieren. Wie mein Großvater hatten die meisten Menschen Familien, die sie nicht in Gefahr bringen und die sie weiterhin irgendwie schützen und versorgen wollten bzw. mussten.

Dass Putins, Trumps & Co. täglich mehrere Gesetze brechen und Menschenrechte missachten, Länder überfallen, politische Gegner ausschalten, sich allmächtig und erhaben über allem agieren, erleben wir aktuell. Es geschieht ganz offen und vor aller Augen. Und obwohl wir immer dachten, dass so was wie im 3. Reich niemals wieder passieren könnte, erleben wir gerade die Anfänge von sowas und stehen dabei und schauen zu. Genau das, was wir unseren Vorfahren vorwerfen. Aber die Frage: „Wie konnte das passieren?“, stellt sich immer weniger. Passend zu solcher Omnipotenz gibt es Diagnosen – auch für jene, die sich in einer Ko-Abhängigkeit zu solchen Menschen bzw. Systemen befinden.

Meine Großeltern waren einige Jahre gezwungen ihren Sohn, meinen Onkel Heinz verstecken. Warum das so war, darüber erzähle ich an anderer Stelle.

Hinterlasse einen Kommentar