
Im Krieg haben sich die Mädchen nach dem Unterricht, im Schulzimmer zum Stricken für die Soldaten getroffen. Da mittlerweile kaum noch etwas zu kaufen war, sammelten die Kinder Wolle von den Stacheldrahtzäunen, an denen beim Vorbeistreifen Schafe in kleinen Mengen ihrer Haare verloren hatten. Daraus wurde Wolle gesponnen und dicke Socken und Handschuhe gestrickt.
Dabei dachten Elisea und ihre Schwester Jo an die frierenden Soldaten. Auch an den Lieblingsbruder ihrer Mutter, der in Russland kämpfte. Die Familie hoffte, dass irgendwo ein anderes Mädchen für ihn etwas Warmes stricken würde. Dass sich gerade ihr Onkel Franz mit genau diesen Socken die Füße wärmen würde, die sie strickte, war unwahrscheinlich. Dennoch fertigte vor allem Jo vorsichtshalber so viele Socken, wie sie konnte in Onkel Franz Schuhgröße 43, um die Möglichkeit, genau für ihn zu stricken in den Bereich des Möglichen zu rücken. Magisches Denken war das Wenige, was sie mit ihren sieben oder acht Jahren einsetzten konnte, während sie unermüdlich mit ihren halberfrorenen Fingerchen einfach nicht aufgab. Elisea war dafür einfach noch zu klein und konnte sich nur am Sammeln der Zaunwolle beteiligen. Noch heute stricken die beiden mit über 80 Jahren und denken an ihre ersten Strickarbeiten und das Wollesammeln im Krieg.
Die Ferse zu stricken war für ihre kleinen Händchen eine echte Herausforderung aber die kleine Jo empfand es als Ehre und Pflicht, für die Soldaten zu stricken und so ihren Beitrag zu leisten, auch wenn sie nicht verstand, warum sie bereits zwei Mal ausgebombt worden waren und deswegen nun in einer Baracke auf dem Land wohnten.

Dass strickende Frauen schon im 1. Weltkrieg und sicherlich auch im 2. Weltkrieg auch als Spioninnen, ihre als Wohltätigkeit getarnte Arbeit einsetzten, hätten die beiden Schwestern damals nicht für möglich gehalten. Dabei wurde diese Art der Spionage auch für den Widerstand ganz unterschiedlich eingesetzt. Beispielsweise saßen Frauen, die mit Blick auf Bahnhof oder Gleise wohnten, auffallend häufig an ihren Fenstern und strickten. Tatsächlich ging es darum, Züge und Wagons zu zählen und dementsprechend die so erworbene Statistik unauffällig in das Strickmuster einzuarbeiten. Das sollte vor allem Auskunft über Truppenbewegungen geben, die auf diese Weise sicher an den Feind weiter geleitet wurden. Für Nichteingeweihte waren diese besonderen Strickmuster nicht zu entschlüsseln.
Ein anderer Trick war, geheime Botschaften in den Wollknäuels zu verstecken. Dazu wurde ein passender Stein gesucht und ein Zettel mit der wichtigen Nachricht drum herum gelegt. Danach wurde das Konstrukt mit Wolle umwickelt und somit ein absolut glaubhaftes Wollknäuel erschaffen, das unauffällig mit dem Nadelspiel an dem eine halbfertige Socke baumelte, relativ sicher über die Grenze auf Feindesgebiet geschafft. Niemand verdächtigte strickende Frauen als Spioninnen.

In Großbritannien wurde beispielsweise mit Postern dazu aufgerufen, sich zum Stricken zu bewerben. Was vordergründig als Unterstützung für die Soldaten mit wärmender Strickware ausgegeben wurde, hatte durchaus hier und da auch den Hintergrund der Spionage. Mehr darüber kann man auch im Imperial War Museum nachlesen: Klick!
Das ging sogar so weit, dass während des Zweiten Weltkriegs das Office of Censorship in den Vereinigten Staaten, Strickmuster ins Ausland zu schicken, verbot, da die Anleitungen mutmaßlich militärische Geheimnisse verbergen konnten.

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